Vitamin-D-Überdosierungen und die damit verbundenen Nebenwirkungen sind nur durch eine überhöhte orale Zufuhr (dauerhaft > 4000 I.E./Tag bzw. > 100 µg/Tag) möglich. Für den Fall der zusätzlichen Aufnahme von Vitamin D über Vitamin-D-Präparate hat die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) eine Obergrenze (tolerable upper intake level) für die tägliche Vitamin D-Einnahme abgeleitet. Diese tolerierbare Gesamtzufuhrmenge von Vitamin D liegt für Erwachsene, Schwangere und Stillende sowie Kinder ab 11 Jahren bei 4000 I.E. (100 µg) und für Kinder bis 10 Jahre bei 2000 I.E. (50 µg) pro Tag [1]EFSA (European Food Safety Authority) (2012): EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA); Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of vitamin D. EFSA Journal; 10(7): … Continue reading.
Bei einer regelmäßigen täglichen Zufuhr von über 4000 I.E. (100 µg) Vitamin D können unerwünschte Wirkungen wie die Bildung von Nierensteinen oder Verkalkung der Arterien, Prostata und Nieren auftreten. Diese Nebenwirkungen treten erst nach längerer Hochdosis-Einnahme ein, sind aber schwerwiegend.
Eine Überdosierung ist bei den üblichen Ernährungsgewohnheiten nur durch eine langfristige Einnahme von hochdosiertem Vitamin-D-Präparaten (über 4000 I.E. pro Tag) möglich. Aus medizinischen Gründen können höhere Vitamin-D-Zufuhrmengen ärztlich angezeigt sein. Diese sollte jedoch nur unter Kontrolle der Blutwerte erfolgen.
Die Gefahr für Nebenwirkungen besteht vor allem bei gleichzeitig hoher Zufuhr von Calcium und Phosphat (Milchprodukte, hochdosierte Supplemente) oder bei Personen mit Nierenversagen. Alle Nebenwirkungen werden nicht durch das Vitamin D alleine verursacht, sondern durch eine gleichzeitig erhöhte Zufuhr von Calcium und Phosphat. Denn Vitamin D erhöht deutlich die Aufnahme der beiden Mineralstoffe über den Darm und die Nieren. Bei langfristig hochdosiertem Vitamin D sollte daher die Zufuhr an Milchprodukten stark reduziert und die Aufnahme von Calcium eingeschränkt werden.
Vor allem bei höher dosierter Zufuhr von Vitamin D (auch Aufdosierung!) ist die ergänzende Einnahme von Vitamin K2 wichtig, um die Vitamin-D-Wirkung zu verbessern und das Risiko potenzieller Nebenwirkungen zu senken. Vitamin D3 und Vitamin K2 arbeiten bei der Einlagerung von Calcium in die Knochen zusammen: D3 erhöht die Bildung von Osteocalcin, K2 aktiviert dieses. Bei hoher Vitamin-D-Aufnahme steigt daher der Bedarf an Vitamin K. K2 aktiviert auch Calcium-bindende Proteine wie MGP und schützt so Nieren und Gefäße.
Eine Vitamin-D-Überdosierung durch exzessive Bestrahlung der Haut mit Sonnenlicht ist übrigens nicht möglich. In diesem Fall werden Provitamin D3 und Vitamin D3 in inaktive Photoprodukte abgebaut [2]Gröber U, Spitz J, Holick MF, Wacker M, Kisters K (2013): Vitamin D: Update 2013: Von der Rachitis-Prophylaxe zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Deutsche Apotheker Zeitung; 153(15): 1518-1526..
Achtung: Eine sehr hohe Vitamin-D-Dosierung innerhalb eines kurzen Zeitraums ist eher unphysiologisch und kann mit Risiken einhergehen (z. B. Calciumablagerungen außerhalb der Knochen). Bei der Einnahme von mehr als 4000 I.E. Vitamin D3 am Tag (z. B. zur Aufdosierung) sollten deshalb je 800 I.E. Vitamin D3 etwa 20 µg Vitamin K2 MK-7 ergänzt werden. Bei 5600 I.E. Vitamin D3 wären dies 140 µg Vitamin K2 pro Tag.
Das empfohlene Verhältnis von Vitamin D3 zu K2 beträgt damit bei höheren Vitamin-D-Dosierungen etwa 1:1. Bei besonderen Risikofaktoren (Osteoporose, Koronare Herzkrankheit, chronische Nierenerkrankungen, Entzündungs- und Kalzifizierungsprozesse jeder Art) sollte die Zufuhr von Vitamin K2 als MK-7 bei der Erhaltungsdosis verdoppelt werden (Vitamin D im Verhältnis zu K2 1:2).
Besonders Nierenkranke haben oft eine latente metabolische Azidose und entwickeln frühzeitig ausgeprägte Kalzifizierungen in den Nieren und Gefäßen. Bei ihnen ist die Kombination von Vitamin D mit höherdosiertem K2 besonders wichtig. Auch ist hier bei der täglichen Dosierung bzw. beim Auffüllen eines Vitamin-D-Mangels größere Vorsicht geboten.
Eine ausführliche medizinische Erklärung finden Sie im Artikel “COVID-19 als systemische Erkrankung – ein tödlicher Teufelskreis?”
Quellenverzeichnis[+]
| ↑1 | EFSA (European Food Safety Authority) (2012): EFSA Panel on Dietetic Products, Nutrition and Allergies (NDA); Scientific Opinion on the Tolerable Upper Intake Level of vitamin D. EFSA Journal; 10(7): 2813 [45pp.]. doi: 10.2903/j.efsa.2012.2813. www.efsa.europa.eu/efsajournal. |
|---|---|
| ↑2 | Gröber U, Spitz J, Holick MF, Wacker M, Kisters K (2013): Vitamin D: Update 2013: Von der Rachitis-Prophylaxe zur allgemeinen Gesundheitsvorsorge. Deutsche Apotheker Zeitung; 153(15): 1518-1526. |